Interkulturelles Know-how

Dresscodes in anderen Ländern

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Dresscodes in anderen Ländern

Andere Länder, andere Sitten – in einigen Kulturkreisen gelten bezüglich der Kleidung andere Regeln, als hierzulande. Vor allem, wenn es um die Berufswelt, die Religion oder grundsätzlich die Freizügigkeit geht, gibt es Unterschiede. Um nicht in unangenehme Situationen zu geraten und der fremden Kultur Respekt zu zeigen, sollten bestimmte Sitten und Bräuche auch beim Dresscode eingehalten werden.

Dresscodes in der Arbeitswelt

Viele Dresscodes der Arbeitswelt sind kulturübergreifend anerkannt. Beispielsweise ist das Tragen einer Sonnenbrille in Innenräumen nahezu überall unangemessen. Ebenso sind Kopfbedeckungen (es sei denn sie haben einen religiösen Hintergrund) in der gleichen räumlichen Umgebung wenig angesehen.

Grundsätzlich ist die entsprechende Kleiderordnung stark vom entsprechenden Beruf abhängig. So können beispielsweise in bestimmten Jobs Uniformen notwendig sein. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass auch bei einer Arbeit, im Rahmen derer kein Kundenkontakt besteht, eine Kleiderordnung bestehen kann.

Arbeitskleidung in der arabischen Welt

Ein konkretes Beispiel: In vielen arabischen Ländern ist in der Geschäftswelt, unabhängig von der aktuellen Temperatur, lange Kleidung gefragt. Für Männer bedeutet dies Anzug mit Krawatte, für Frauen ein kniebedeckendes Kostüm mit entsprechenden Strümpfen oder einen Hosenanzug. Freizügigkeit in jeglicher Form ist absolut unerwünscht und teilweise sogar untersagt.

Das mag in vielen arabischen Staaten einerseits traditionelle und religiöse Gründe haben. Zudem wird durch entsprechende Kleidung ein ausreichendes und hohes Maß an Bildung und Wohlstand ausgedrückt. Das Sprichwort “Kleider machen Leute” hat also eine besonders hohe Bedeutung in diesem Kulturkreis. Im Umkehrschluss fällt es schwer, zu einem Anlass overdressed zu erscheinen.

Arbeitskleidung in China

In China gibt es deutliche regionale Unterschiede. Grundsätzlich gilt, dass ein schlichter Anzug ohne Konturen oder auffällige Schnitte die Grundlage bildet. Vorbild dafür ist der typische Mao-Anzug, der auch heute noch Einfluss auf die Mode hat. Dieser Stil ist vor allem in den abgelegeneren Regionen verbreitet.

Allerdings ist in den östlichen Metropolen eine Offenheit für einen westlich-modischen Kleidungsstil erkennbar, während Peking auf eine besonders bürokratische Kleidung setzt. Weiter südlich wird der Dresscode lockerer gesehen: Hier sind sogar kurzärmelige Hemden oder Poloshirts nicht unüblich.

Auch in anderen Ländern Asiens gibt es teilweise regionale Unterschiede, wobei für diesen Kulturkreis insgesamt ein konservativer Bekleidungsstil empfohlen wird. Aufgrund der von der Region abhängigen Abweichungen ist es in manchen Fällen ratsam, vor einem geschäftlichen Treffen oder der Aufnahme einer Arbeit den gewünschten Dresscode offen zu erfragen.

Zudem gibt es Staaten, beispielsweise Singapur, in denen konzentriert ausländische Firmen aus aller Welt ansässig sind. Dort empfiehlt es sich, weniger auf die Gepflogenheiten des Landes, sondern auf den Dresscode des jeweiligen Unternehmens zu achten, um bei einem Vorstellungsgespräch oder dem Antritt der Arbeitsstelle nicht unangenehm aufzufallen.

Kleidung für Urlaub und Freizeit

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Freizeitkleidung ist entweder bei einem längeren Aufenthalt, aber auch für einen Urlaub relevant. Sowohl am Strand, als auch im Stadtgebiet gibt es für verschiedene Länder, unter anderem in der arabischen Welt, bestimmte Richtlinien und Handlungsempfehlungen.

Strandkleidung im Urlaub

Alleine der Gang zum Strand kann einige Fragen aufwerfen. In arabischen Ländern ist Frauen das Tragen eines Bikinis häufig nur an abgetrennten Hotelstränden erlaubt und sonst stark reguliert. Allerdings sollte bei der Wahl des Schnittes darauf geachtet werden, dass das entsprechende Modell nicht zu knapp ausfällt. Neben Bikini und Badeanzug ist die Schwimm- und Strandmode inzwischen um viele weitere Varianten ergänzt worden, die mehr Haut bedecken und somit auch für den Strandbesuch in weniger freizügigen Regionen geeignet sind.

Zudem sollte der Bikini in entsprechenden Ländern nur am Strand oder am Pool des Hotels getragen werden. Für den Rückweg oder einen Ausflug in die Stadt empfiehlt sich normale Kleidung. Falls Unsicherheiten bestehen, macht es Sinn, das Hotelpersonal zu fragen.

In nahezu allen westlichen Ländern kann die Strandkleidung einerseits freizügiger sein, andererseits auch für ein gemütliches Beisammensein an der Hotelbar oder einen Ausflug in die Stadt dienen. In einigen dieser Staaten, wie beispielsweise Dänemark, Kroatien, Griechenland oder Bulgarien sind an speziellen Stränden auch FKK-Urlaube möglich.

In diesen Strandgebieten bedeutet der Dresscode in einigen Fällen das Fehlen der Kleidung. Es gibt jedoch auch Varianten, bei denen die Strandbesucher frei entscheiden können, ob sie mit oder ohne Badekleidung die Sonne genießen.

Kleidung für Freizeit und Sightseeing

In muslimisch geprägten Ländern wie beispielsweise den Vereinigten Arabischen Emiraten oder dem Oman sollten verschiedene Körperstellen grundsätzlich bei einem Aufenthalt in der Öffentlichkeit bedeckt werden. Dazu gehören die Schultern und die Knie. Diese Richtlinie gilt sowohl für Frauen, als auch für Männer.

Allgemein sollte stark darauf geachtet werden, in diesen Ländern nichts zu Freizügiges zu tragen. Zwar ist entsprechende Kleidung etwa im Oman nicht gesetzlich verpflichtend. Dennoch wird Reisenden empfohlen, die üblichen Richtlinien zu respektieren und einzuhalten. Bei der Wahl der Kleidung sollte bedacht werden, dass diese zum dortigen heißen Klima passen. 

Schlussendlich ist zu beachten, dass die traditionelle landestypische Kleidung gemieden werden sollte. Auch wenn dies von dem jeweiligen Touristen oder Reisenden selbst als gute Anpassung wahrgenommen wird, wirkt es auf Einheimische unter Umständen respektlos.

In anderen Ländern, beispielsweise in Brasilien, ist die Freizeitbekleidung betont elegant und bisweilen auch sportlich. Freizügigkeit ist hier nicht verpönt, im Gegenteil: Luftige Kleidung ist allseits beliebt. Zudem wird in Brasilien viel Wert darauf gelegt, dass die Kleidung modisch, gut gepflegt und hochwertig aussieht. Ein wirklicher Dresscode besteht nicht, vielmehr spielt das Niveau eine Rolle.

Ähnliches gilt beispielsweise für Spanien, wobei die Kleidung dort besonders elegant und weniger freizügig ist. Besonders auf noble Schuhe legen die Spanier großen Wert. Frauen bedienen sich einer eleganten Abendgarderobe, während Männer bevorzugt Hemden und Stoffhosen tragen.

Dresscode beim Besuch religiöser Stätten

Besondere Regeln gelten beim Besuch von religiösen Stätten wie Kirchen, Moscheen oder Synagogen. Hier gibt es Unterschiede, grundsätzlich ist jedoch ein konservativer Kleidungsstil gefragt, bei dem wenig Haut gezeigt wird.

Besuch von Moscheen

Weltweit gibt es eine Reihe prächtiger Moscheen, die Reisende und Kulturfremde ins Staunen versetzen. Hierzu zählt beispielsweise wie Scheich-Sayed-Moschee in Abu Dhabi oder die Süleymaniye-Moschee in Istanbul.

Muslimische Gebetshäuser dürfen grundsätzlich von Touristen nicht während der Gebetszeiten betreten werden. Für die Kleidung gelten besondere Regeln: Als Kleidung werden langärmelige Shirts sowie lange Hosen erwartet. Ohne diesen Dresscode wird der Zugang verwehrt. Zudem ist es Pflicht, beim Betreten die Schuhe auszuziehen. Frauen bedecken ihren Kopf mit einem Tuch, diese liegen für Besucherinnen am Eingang der Moschee aus.

Besuch einer Synagoge

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Gerade bei einem Aufenthalt in Israel empfiehlt es sich, eine Synagoge zu besuchen. Neben einigen anderen Regeln gilt auch dort eine Kleiderordnung. Ähnlich wie in einer Moschee sollte auf lange Ärmel sowie lange Hosen geachtet werden.

Frauen sollten zudem ihr Dekolletee nicht unbedeckt lassen, im besten Falle wird zudem ein Rock, der bis über die Knie geht empfohlen. Besucherinnen ist auch das Tragen von Hosen erlaubt. Für Männer ist das Aufsetzen einer Kippa Pflicht. Diese erhalten andersgläubige Besucher in vielen Fällen umgehend beim Betreten des Gebetshauses.

Besuch christlicher Kirchen

Ähnlich wie bei einer Moschee oder einer Synagoge sollte beim Besuch einer Kirche auf freizügige Kleidung verzichtet werden. Auch hier empfiehlt es sich, lange Kleidung zu tragen. Frauen sollten ebenfalls Knie, Schultern und Dekolletee bedecken.

Unterschiede gibt es bei der Kopfbedeckung. Während Männer als Demutsgeste Hüte oder Ähnliches absetzen sollen, ist es Frauen gestattet, diese aufzubehalten. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen christlichen Glaubensrichtungen Unterschiede. In der orthodoxen Kirchengemeinde, die besonders in Russland besonders verbreitet ist, sind Frauen dazu verpflichtet, einen Schleier als Kopfbedeckung zu tragen.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Vor allem bei konservativeren und konformistischen Kleidungsstilen in anderen Ländern sollte eine Anpassung vorgenommen werden. Dies gilt sowohl in der Arbeitswelt, als auch in vielen Bereichen der Freizeit. Zudem ist beim Besuch religiöser Stätten darauf zu achten, nicht durch zu freizügige Bekleidung religiöse Gefühle zu verletzen. Abseits davon empfiehlt es sich ganz allgemein, den Kleidungsstil während einem Auslandsaufenthalt dem Umfeld anzupassen: Sei es konservativ, nobel oder sportlich-leger.

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